WisR Senior Talents im Gespräch: Dietmar Graffius

“Ich habe in meiner ganzen Karriere noch nie so viel Wertschätzung erfahren, wie heute”

Portrait von Daniel Eberharter


Dietmar Graffius arbeitete knapp 40 Jahre lang im selben Unternehmen, als er vor zwei Jahren über seine eigene Pensionierung schlichtweg “informiert” wurde. “Ich bin von einem Tag auf den anderen von der Payroll verschwunden.” Es war ein Schock, denn Dietmar wollte eigentlich erst mit 65 Jahren in Rente gehen.

Ganze drei Jahre früher als geplant wurde er von dem US-Amerikanischen Unternehmen in den Ruhestand geschickt. “Das ist dort einfach anders, als in Österreich. Dort wird man von einem Tag auf den anderen in aller Kürze informiert, nicht mehr Teil des Unternehmens zu sein”.


Karrieremotto stützt sich auf 3 Säulen

Der gebürtige Steirer Dietmar Graffius, heute 62 Jahre alt, arbeitete seit 1984 in einem großen Pharmakonzern und machte viele Veränderungen mit, sowohl in der Unternehmensführung als auch in der eigenen Karriere.

Sein Werdegang begann als Pharmareferent im Außendienst und ging bis in die Geschäftsführung. “Mein Motto für den guten Job stützt sich auf drei Säulen: Mobilität, Flexibilität und Neugier. Man muss sich anpassen können und wollen, wenn man mit einem Unternehmen wachsen möchte. Das bedeutet auch, unterschiedliche Rollen anzunehmen: Vom Vertrieb zum Produktmanagement bis zum Marketing habe ich alles gemacht”.

Dietmar Graffius
Dietmar Graffius


Flexibilität das Um und Auf

Diese von Dietmar zelebrierte Flexibilität begleitet ihn auch nach der Pensionierung.

Es war nämlich nicht der Ausstieg an sich, den Dietmar besonders gestört hätte. “Es gab schon vorab Anzeichen. Der Kurs im Unternehmen hat mir schon länger nicht gefallen. Aber an die Rente gedacht habe ich zu keinem Zeitpunkt. Es war vor allem die Art und Weise der Kommunikation, die mich ganz einfach getroffen hat.”

Der gebürtige Steirer wurde viel früher als geplant mit der berühmten “erwarteten Plötzlichkeit” konfrontiert. Wie viele frisch in Rente befindlichen Menschen nahm sich Dietmar zwar zuerst einmal eine Auszeit, ging auf Reisen, kümmerte sich um den Garten.


“Das Phänomen des langen Tages”

Doch dann kommt unweigerlich das nächste Merkmal der Rente mit großen Schritten auf ihn zu, das - wie Dietmar es nennt - “Phänomen des langen Tages”. Zuerst genießt man ja die Auszeit, das lange Schlafen, die Gartenarbeit - bis auffällt, dass die “Aufgabe” weggebrochen ist.

So waren es dann die schon erwähnten 3 Säulen - Mobilität, Flexibilität & Neugier - die Dietmar in der nächsten Phase seiner unverhofft früh eingetretenen Rente zum nächsten Schritt geholfen hat: Er setzte sich hin und machte eine Liste aller beruflichen Fähigkeiten und Erfahrungen, die er in seiner beruflichen Laufbahn ansammeln konnte und nun nutzen kann, um auch in der Rente arbeiten zu können. “Dazu sollte man sich auch nicht nur die vergangenen 30 Jahre ansehen, sondern bis in die Jugend gehen”, rät Dietmar. Auch sollte man sich schon im Vorhinein überlegen, wieviel Zeit man pro Woche aufwenden möchte. (Siehe Kasten “5 Tipps für die Selbstständigkeit als Senior Talent”)


Die Selbstständigkeit

6 Monate nach der einseitig beschlossenen Pensionierung machte sich Dietmar Graffius kurzerhand mit einer eigenen Beratungsfirma und als Kundenkontakter selbstständig und arbeitet derzeit mit drei Unternehmen erfolgreich und auf langfristiger Basis zusammen. Innerhalb seines vorab definierten Rahmens für den Arbeitsaufwand ist er sogar voll ausgelastet.

Seit Mai 2019 bietet Dietmar seine Kompetenzen als Kundenkontakter auch der Jobplattform WisR an. “Die Generation 60-75 ist derzeit am Arbeitsmarkt ganz einfach nicht präsent. Es handelt sich um die aktive Personalreserve, die nicht ausreichend genutzt wird”.

Was Dietmar besonders an seiner “neuen” Arbeit post-Rente mag, ist die Wertschätzung und Anerkennung, die er im normalen Beruf schon lange nicht mehr so gespürt hat. “Ich habe viel Erfahrung und kann diese auch mitteilen. Die Ehrlichkeit wird angenommen und geschätzt. Ich habe das Gefühl, gebraucht zu werden. Das Gefühl ist keineswegs einseitig - ich lerne auch etwas und wachse mit meinen Unternehmen mit. Es ist ein Gesamtpaket. Ich spür’ mich.”

Auf die Frage, ob er sich das jemals so vorgestellt hätte, muss er lachen: “Nein, das hätte ich mir nie gedacht! Es hat sich sogar besser entwickelt, als ich es mir jemals geträumt hätte”.



Dietmars 5 Tipps für die Selbstständigkeit als Senior Talent


1.) Höre dir zu

“Setz’ dich hin und ordne dich. Nimm’ dir die Zeit und hör’ dir zu.”

2 ). Körper schaffen

“Gib dem Kind einen Namen - das hilft ungemein.”

3.) Standbeine überlegen

“Nicht nur überlegen, was du kannst, sondern was du auch wirklich machen willst. Denke dabei nicht nur an die letzten 30 Jahre, sondern bis in die Jugend zurück.”

4.) Zeitaufwand abstecken

“Überlege und stelle vorab klar, wieviele Stunden pro Woche (oder Monat) du für deine Arbeit aufwenden möchtest.”

5.) Keine Angst

“Vergiss’ Ängste, die dich zurückhalten können. Angst vor Investitionen wie z.B. für Website oder für Werbung sind überflüssig!”



Du findest Dietmar Graffius im WisR Senior Talent Pool

Dietmar Graffius CV
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