Alles, was Du über Pensionszuverdienst & Selbstständigkeit wissen musst

Bericht von Daniel Eberharter

Wer auch nach dem Ruhestand weiterarbeiten möchte, sieht sich manchmal mit unterschiedlichen Beschäftigungsformen konfrontiert, die sich von der klassischen Vollzeitanstellung unterscheiden. Für Menschen, die im bisherigen Berufsleben immer nur mit einer Anstellungsform nach Kollektivvertrag gewohnt waren, können die neuen Ausdrücke eine Herausforderung sein.

Was bedeuten all diese Ausdrücke wie Geringfügigkeitsgrenze überhaupt? Wie erfolgt die Abrechnung über Honorarnoten, was ist ein freies Gewerbe? Ab wann macht der Schritt in die Selbstständigkeit Sinn? Welche Voraussetzungen gibt es für die Anmeldung eines Gewerbes und welche Tätigkeiten sind auch ohne Anmeldung ausübbar?

Hier erfährst du alles über die unterschiedlichen Beschäftigungsarten abseits von der klassischen Anstellung.

Wir helfen dabei, wenn du dich in der Alterspension neu orientieren möchtest und einen Job ausübst, dessen Verdienst oberhalb der Geringfügigkeitsgrenze liegt.

Ein kleiner Hinweis: Auf diesen Seiten findest du allgemeine Informationen. Bitte prüfe deine persönlichen Voraussetzungen mit einem Steuerberater und bei den Informationsstellen von Arbeiterkammer, WKO und SVA.

Der Wegweiser in die Selbstständigkeit

  1. Überlegungen für die Selbstständigkeit
  2. Unterschiedliche Beschäftigungsarten
    Neue Selbstständigkeit
    Freie Dienstnehmer
    Kleingewerbetreibende
    Geringfügige Beschäftigung
  3. Freie und reglementierte Gewerbe
    Freie Gewerbe
    Reglementierte Gewerbe
  4. Weiterführende Links
Wegweiser in die Selbstständigkeit


Überlegungen für die Selbstständigkeit

Wenn du einen Job oder eine Tätigkeit ausüben möchtest, die über das Ausmaß der Geringfügigkeit geht, so gilt vorab zu prüfen, ob der Schritt in die Selbstständigkeit überhaupt in Frage kommt.

Welche steuerlichen und versicherungstechnischen Auswirkungen ergeben sich aus einer Selbstständigkeit über der Geringfügigkeitsgrenze? Die daraus resultierenden Abgaben sind am besten vorab grob zu kalkulieren.

Tipp: Wer nur geringfügig dazuverdient (EUR 446,81 pro Monat im Jahr 2019) braucht sich über steuerliche Auswirkungen nicht zu sorgen. Die Abrechnung kann einfach über Honorarnoten erfolgen. Einkommen darüber müssen selbst versteuert und selbst versichert werden.
(Siehe Das solltest du bei der Abrechnung über Honorarnoten beachten)

Weiters gilt es zu prüfen, ob es sich um eine Tätigkeit handelt, die man frei ausüben darf, oder ob man dafür einen Befähigungsnachweis (umgangssprachlich auch: Gewerbeschein) benötigt. Das gilt natürlich auch für geringfügige Jobs.


Unterschiedliche Beschäftigungsarten in der Selbstständigkeit

In diesem Teil erklären wir die relevanten Begriffe Neue Selbstständigkeit, Freie Dienstnehmer, Kleinstunternehmer und Geringfügigkeit.

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Neue Selbstständigkeit

Neue Selbständige sind Personen, die aufgrund einer betrieblichen Tätigkeit steuerrechtlich Einkünfte aus selbständiger Arbeit erzielen. Neue Selbstständige sind keine Dienstnehmer und auch keine freien Dienstnehmer. Sie sind auch keine Gewerbetreibenden.

Pflichtversicherung

Neue Selbstständigenhaben eine Pflichtversicherung.

Dazu gehören

  • Pensionsversicherung
  • Krankenversicherung
  • Unfallversicherung
  • Selbstständigenvorsorge

In der Praxis fallen vor allem folgende Berufe unter die Neue Selbstständigkeit – sofern sie nicht ohnehin aufgrund dieser Erwerbstätigkeit pflichtversichert sind (z.B. als Angestellter oder als freier Dienstnehmer):

Selbständig Erwerbstätige, wie Vortragende, Künstler, Sachverständige, Aufsichtsräte, Journalisten, Schriftsteller und Personen, die Gesundheitsberufe selbständig ausüben (Krankenpfleger, Hebammen, etc.), freie Dienstnehmer, wenn sie eigene Betriebsmittel nutzen.

„Werkvertragsnehmer“, also Personen, die nicht im Rahmen eines Dienstverhältnisses tätig sind, sondern sich zur Herstellung eines Werkes oder zur Herbeiführung eines Erfolges verpflichtet haben. (siehe Das solltest du bei der Abrechnung über Honorarnoten beachten)

Sozialversicherung für neue Selbstständige

Wichtig: Neue Selbstständige haben ihre Tätigkeit bei der Sozialversicherungsanstalt der gewerblichen Wirtschaft (SVA) zu melden, wenn das Jahresbruttoeinkommen den Betrag von EUR 5.361,72 für das Jahr 2019 übersteigt.

Achtung - auf Fristen achten!

Melde dich innerhalb eines Monats nach Aufnahme der Tätigkeit bei der SVA selbst an. SVA-Beiträge werden quartalsweise im Voraus bezahlt. Die Höhe der Beiträge beruht auf Schätzungen des Einkommens.

Abrechnung

Die Abrechnung der Leistung erfolgt über Honorarnote, Werkvertrag oder Rechnung mit UID-Nummer.

Altersausnahme

Personen, die am 1. Jänner 1998 bereits das 55. Lebensjahr vollendet hatten, sind von der Versicherungspflicht in der Pensionsversicherung als Neue Selbständige ausgenommen, da sie ohnehin schon in der Alterspension befinden.

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Freie Dienstnehmer

Grundsätzlich kann jede Leistung, die aufgrund eines Arbeitsverhältnisses erbracht wird, auch Inhalt eines freien Dienstvertrages sein. Achtung: Bei freien Dienstverträgen besteht kein Anspruch auf den Kollektivvertragslohn und, soweit nicht ausdrücklich vereinbart, auf Sonderzahlungen.

Freie Dienstnehmer, die unter der monatlichen Geringfügigkeitsgrenze beschäftigt sind (geringfügig Beschäftigte), sind vom Arbeitgeber nur in der Unfallversicherung anzumelden. Geringfügig beschäftigte freie Dienstnehmer können sich zusätzlich freiwillig kranken- und pensionsversichern.

Wenn das monatliche Entgelt die Geringfügigkeitsgrenze übersteigt, müssen freie Dienstnehmer vom Arbeitgeber in allen drei Versicherungen (Unfall-, Kranken-, Pensionsversicherung) beim zuständigen Krankenversicherungsträger angemeldet werden.

Steuerpflicht für freie Dienstnehmer

Freie Dienstnehmer sind einkommensteuerpflicht, nicht aber lohnsteuerpflichtig, da sie wie Selbstständige behandelt werden.

Für die Entrichtung der Einkommensteuer sind sie selbst verantwortlich [siehe Vermerk auf Honorarnote, “Das musst du bei der Abrechnung über Honorarnoten beachten”].

Gibt es neben den Einkünften als freier Dienstnehmer lohnsteuerpflichtige Einkünfte (zB. aus Pension), dann liegt die Grenze für das steuerfreie Jahreseinkommen bei EUR 12.000,-.

Abrechnung

Die Abrechnung der Leistung erfolgt meistens über Honorarnote oder Rechnung mit UID-Nummer.

Auf in die Selbstständigkeit
KünstlerInnen üben ein freies Gewerbe aus

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Kleingewerbetreibende

Kleingewerbetreibende (auch: Kleinunternehmer) sind Personen, deren monatliche Einkünfte nicht mehr als EUR 446,81 (EUR 5.361,72 / Jahr) übersteigen, bzw. deren jährlicher Umsatz aus sämtlichen unternehmerischen Tätigkeiten (inkl. Pension) den Betrag von € 30.000,- nicht übersteigt.

Wichtig: Vorher Antrag stellen

Kleingewerbetreibend ist man erst, wenn man einen Antrag auf Ausnahme von der Vollversicherungspflicht stellt. “In diesem Antrag ist glaubhaft zu machen, dass die Einkommens- und Umsatzgrenzen für Kleingewerbetreibende nicht überschritten werden. Durch die Ausnahme von der Krankenversicherung erfolgt keine Einbeziehung in die Selbständigenvorsorge. Sie haben dann nur mehr die Verpflichtung, den Unfallversicherungsbeitrag zu bezahlen.”

Voraussetzungen

Dieser Antrag kann nur von einer Person gestellt werden, die innerhalb der letzten 60 Kalendermonate (5 Jahre) nicht mehr als 12 Kalendermonate nach dem GSVG pflichtversichert war oder das 60. Lebensjahr vollendet hat oder das 57. Lebensjahr vollendet und innerhalb der letzten fünf Kalenderjahre vor Antragstellung die oben angeführten Einkommens- und Umsatzgrenzen für Kleingewerbetreibende nicht überschritten hat.

Abrechnung

Die Abrechnung der Leistung erfolgt meistens über die Honorarnote.

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Geringfügige Beschäftigung

Geringfügig beschäftigt ist, wer bei regelmäßiger Beschäftigung (Dienstverhältnis für einen Monat oder für unbestimmte Zeit) nicht mehr als einen gesetzlich vorgegeben Betrag im Monat verdient. Im Jahr 2019 sind dies EUR 446,81 monatlich.

Wenn ein Gehalt unterhalb dieser Geringfügigkeitsgrenze verdient, zahlt keine Sozialversicherungsbeiträge und keine Lohnsteuer (weder der Arbeitgeber noch vom Arbeitnehmer). Geringfügig Beschäftigte sind aber automatisch unfallversichert und können sich freiwillig selbst kranken- und pensionsversichern. Eine Arbeitslosenversicherung (Freiwillig oder verpflichtend) ist bei einer geringfügigen Beschäftigung nicht möglich.

Abrechnung

Die Abrechnung der Leistung erfolgt meistens über die Honorarnote.

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Einfach losarbeiten ohne Abgaben: Die Geringfügigkeit hat viele Vorteile

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Freie Gewerbe vs. reglementierte Gewerbe

Freie Gewerbe

Es gibt viele freie Gewerbe, die man ohne Befähigungsnachweis (Gewerbeschein) ausüben kann.

Beispiele dafür sind zB. Maronibrater, Filmproduktion, Kalligrafie, Beaufsichtigung von Kindern ohne Verfolgung erzieherischer Zwecke (Babysitten), Unterricht von Workshops und Seminaren. Auch die Ausübung künstlerischer Tätigkeiten sind von der Gewerbeordnung ausgenommen. Künstler sind zB. Maler, Musiker, Schauspieler, Sänger, Dirigenten, Tänzer und Disc Jockeys, sowie literarische Tätigkeiten wie Schriftsteller und Journalist.

Eine nie vollständige Liste der freien Gewerbe gibt es hier. Prinzipiell ist jede Leistung, für die ein Kunde Geld bezahlen möchte, ein Gewerbe und mitunter noch nicht erfunden! Der unternehmerischen Phantasie ist keine Grenze gesetzt. Es gilt zu prüfen, ob das “neue” Gewerbe unter ein reglementiertes Gewerbe fällt, oder nicht.

Abrechnung

Die Abrechnung erfolgt über Rechnung mit UID-Nummer.

Reglementierte Gewerbe

Die Ausübung von Tätigkeiten im Rahmen eines reglementierten Gewerbes muss der jeweilige Befähigungsnachweis erbracht werden.

Reglementierte Gewerbe sind meistens Tätigkeiten, die man im Rahmen einer Lehre erlernt oder ein Handwerk darstellt. Einige Beispiele sind zB. Fremdenführer, Gastgewerbe, Massage Bäcker oder Uhrmacher.

Abrechnung

Die Abrechnung erfolgt über Rechnung mit UID-Nummer.

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